Geschnitten, gesäumt, poliert: Wie werden Glaskanten bearbeitet?

Glas ist aufgrund seiner unübertroffenen Transparenz nicht nur erste Wahl im Bereich Fensterbau. Auch als Dacheindeckung für Terrassenüberdachungen weiß Glas im besten Sinne zu glänzen. Ein wichtiger Qualitätsfaktor ist die Bearbeitung der Glaskanten.

Glas ist ein empfindlicher Werkstoff, der nicht nur leicht zerbricht, sondern der bei unsachgemäßer Behandlung bzw. schlechter Materialqualität auch die Gefahr von Schnittverletzungen birgt.

Transparentes Verbundsicherheitsglas (VSG) mit bearbeiteten Glaskanten.
Transparentes Verbundsicherheitsglas (VSG) mit bearbeiteten Glaskanten.

Sogenanntes Verbundsicherheitsglas für Terrassendächer oder Carports ist aufgrund der besonderen Materialkonstruktion sehr bruchfest. Dennoch sollten Sie beim Verarbeiten von Glas vorsichtig sein, denn eine Glaskante kann messerscharf sein, ohne dass man dies auf den ersten Blick erkennt.

Glaskanten – welche Kantenbearbeitung gibt es?

Wichtig ist, wie sorgsam und gründlich die Glaskanten bearbeitet sind. Denn Billiganbieter gehen hier aus Gründen der Ersparnis nicht immer sorgfältig vor bzw. vertreiben Glas, welches nur mangelhaft bearbeitet ist. Welche Arten von Glaskanten gibt es, und was sind die wichtigsten Unterschiede?

Unbearbeitete Glaskanten haben selbstverständlich scharfe, unregelmäßige Ränder und werden nur eingesetzt, wenn die Kante von Profilen oder Rahmen sicher abgedeckt ist. In der Regel werden die Schnittkanten aber durch Schleifen, Säumen und Polieren nachbearbeitet. Hierbei gibt es wichtige Unterschiede im Grad der Bearbeitung.

Geschnittene Glaskanten

Unbearbeitete Glaskanten werden auch als „geschnitten“ bezeichnet. Diese Bezeichnung entstammt einem Arbeitsschritt aus der Flachglasproduktion: Hier wird zunächst ein langes ‚Glasband‘ produziert, welches nach Abkühlen des Materials im gewünschten Format geschnitten wird.

Die unbearbeitete Glaskanten wirken optisch blank und weisen unregelmäßige, scharfkantige Ränder auf. Zudem können hier quer zu den Glasrändern leichte Wellenlinien vorliegen, die übrigens im Fachjargon Wallnerlinien heißen. Die Glaskanten können im nächsten Bearbeitungsschritt gesäumt werden.

Was heißt „gesäumte“ Glaskanten?

Bei einer sogenannten gesäumten Kante wird der scharfe Grat der Glaskante durch Abschleifen beseitigt. Sogenannte Über- und Unterbrüche bleiben hierbei jedoch bestehen, die Bruchstellen des Glases sind noch spürbar. Es entsteht quasi ein schräger Übergang zwischen Kante und Fläche.

Das Säumen reduziert die Verletzungsgefahr jedoch erheblich, da die scharfe Glaskante abgestumpft wird. Diese Kantenbearbeitung ist wünschenswert, um das Handling des Materials zu erleichtern, jedoch noch nicht ausreichend, wenn die Kante als Sichtkante dienen soll. In diesem Fall wird das Glas geschliffen. Hier unterscheidet man mehrere Varianten.

Maßgeschliffene und geschliffene Glaskante

Bei einer maßgeschliffenen Kante werden die Über- und Unterbrüche entfernt, indem die Kantenfläche noch sorgfältiger bearbeitet wird. Durch diesen Schliff wird die Glasscheibe exakt auf das erforderliche (Einbau-)Maß gebracht, um Fertigungstoleranzen auszugleichen.

Eine geschliffene (auch: feinjustierte) Kante weist eine durch Schleifen ganzflächig bearbeitete Kantenoberfläche auf. Da es hier keine blanken Stellen mehr gibt, erscheint diese Kantenart matt. Durch den Schleifvorgang wird zudem das Bruchrisiko vermindert.

Polierte Glaskanten

Eine polierte Glaskante ist eine durch Überpolieren weiter verfeinerte, blankpolierte Kante. Eine solche Kante kann unter Umständen Polierspuren aufweisen, die aber in einem gewissen Umfang zulässig sind.

Durch das Polieren bekommt die Glaskante einen feinen Glanz. Kanten werden immer dann poliert, wenn eine hohe Oberflächenqualität erwünscht ist, etwa bei Sichtkanten von Glasschiebewänden, Spiegeln, Schaufenstern, Vitrinen oder Tischplatten. Noch edler wirkt die Kante, wenn zusätzlich ein Facettenschliff stattfindet. Hierbei wird ein Teil der Glasoberfläche am Glasrand abgeschliffen. Die entstehenden Facetten sorgen durch Lichtreflexionen für interessante optische Effekte.

Toleranzen bei der Glasbearbeitung

Auch bei sorgfältigster Bearbeitung treten beim Schnitt und der Bearbeitung von Glaskanten diverse Maßabweichungen auf. Diese sind jedoch in der Regel sehr gering und stellen keinen Mangel dar, wenn sie – je nach Kantenlänge und Glasstärke – innerhalb folgender Toleranzen liegen:

Bearbeitungsart Kantenlänge Glasstärke Toleranz
Einfacher Zuschnitt bis 2 m bis 12 mm +/- 2,5 mm
über 12 mm +/- 3,0 mm
bis 3 m bis 12 mm +/- 3 mm
über 12 mm +/- 4,0 mm
Gesäumte Kante 4 ,5 ,6 mm +/- 1,0 mm
8, 10 mm +/- 2,0 mm
12, 15, 19 mm +/- 3,0 mm
Geschliffene/polierte Kante bis 1 m bis 12 mm +/- 1,5 mm
15, 19 mm +/- 2,0 mm
bis 2 m bis 12 mm +/- 2,0 mm
12, 15 mm +/- 2,5 mm
bis 3 m bis 12 mm + 2,0 mm / – 2,5 mm
15, 19 mm +/- 3,0 mm

Wie Sie sehen, können in einer unscheinbaren Glaskante zahlreiche Arbeitsschritte stecken, um Optik und Sicherheit des Materials zu gewährleisten. Achten Sie also beim Kauf von Verbundsicherheitsglas auf die Qualität der Glaskante: Bei REXIN erhalten Sie für Ihre Terrassenüberdachung Glas mit je zwei gesäumten Kanten an der langen Seite, sowie hochwertig polierten Kanten im Sichtbereich. Unser Einscheibensicherheitsglas (ESG) für Glasschiebetüren weist sogar vier polierte Kanten auf.

Unser Angebot an Verbundsicherheitsglas finden Sie hier: Verbundsicherheitsglas (VSG) bei REXIN.

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