Schutzklasse und Schutzart elektronischer Geräte – das sollten Sie wissen

Sicherheit ist das oberste Gebot im Umgang mit elektrotechnischen Geräten. Deshalb gibt es mit den Begriffen Schutzklasse und Schutzart ein normiertes System, das Rückschlüsse über vorhandene Sicherheits- und Schutzmaßnahmen zulässt.

Die Begriffe Schutzklasse sowie Schutzart informieren über die Schutzmechanismen eines Geräts gegen Stromschläge sowie über die jeweilige Verwendbarkeit in unterschiedlichen Umgebungen.

Wichtig bei Lampen im Außeneinstatz: Schutzart & Schutzklasse [Photo: pixabay CC0 Public Domain]
Wichtig bei Lampen im Außeneinsatz: Schutzart & Schutzklasse [Photo: pixabay CC0 Public Domain]
Übrigens werden die Begriffe Schutzklasse sowie Schutzart regelmäßig verwechselt oder ohne Unterscheidung benutzt, was allerdings falsch ist: Die Schutzklasse gibt an, welche Schutzmaßnahmen gegen direktes oder indirektes Berühren nötig sind. Es geht mit anderen Worten um Sicherheitsmaßnahmen zur Verhinderung eines elektrischen Schlags. Hier unterscheidet man die Schutzklassen I, II und III.

Schutzklassen erklärt

Geräte der Schutzklasse I enthalten immer einen sogenannten Schutzleiter. Sobald hier ein stromführender Leiter das mit dem Schutzleiter verbundene Gehäuse berührt, wird der Stromkreis spannungsfrei geschaltet, also deaktiviert. Dies geschieht technisch durch das Auslösen einer Sicherung.

Geräte der Schutzklasse II enthalten eine verstärkte oder doppelte Isolierung zwischen stromführenden und berührbaren Teilen. So wird z.B. sichergestellt, dass bei Metallgehäusen kein Strom anliegt.

Schutzklasse III zeigt an, ob das Gerät mit einer Schutzkleinspannung ausgestattet ist. Voraussetzung für die Schutzklasse III ist, dass kein Strom fließen darf, der für Mensch oder Tier tödlich sein könnte. Man spricht hier auch von Schwachstrom, der in der Regel kaum wahrnehmbar ist und zu keinem elektrischen Schlag führt.

Schutzart erläutert

Die Schutzart demgegenüber lässt Rückschlüsse auf die zulässigen Umgebungsbedingungen eines Geräts zu. Dieser Begriff umschreibt z.B. wichtige Produkteigenschaften von Lampen. Auch im Smartphone-Bereich ist die jeweilige Schutzart für viele ein wichtiges Kaufkriterium, da diese eine Aussage über den Schutz gegen das Eindringen von Staub oder Wasser in das Gerät erlaubt.

Schutzart: der IP-Code

Die Eignung für verschiedene Umgebungsbedingungen kann dem sogenannten IP-Code entnommen werden (aus dem Englischen für „International Protection Code).

Dieser Code vermittelt wichtige Informationen über den gehäuseeigenen Schutz gegen Fremdkörper in der Luft, den Einfluss von Wasser sowie die Folgen einer mechanischen Beanspruchung des Gerätes oder Bauteils.

Der IP-Code besteht in der Regel aus zwei Ziffern mit normierter Bedeutung (nach der DIN EN 60529). Gelegentlich findet man auch weitere Ziffern, die aber nicht unbedingt angegeben werden müssen. Sollte die Kennzeichnung für die 1. oder 2. Stelle bedeutungslos sein, so wird die Ziffer durch ein X ersetzt.

IP-Code aufgeschlüsselt

Der IP-Code lässt sich einfach aufschlüsseln: Die erste Kennziffer beschreibt den Schutzgrad gegen ein Eindringen eines festen Fremdkörpers. Dies wird auch als Berührungsschutz bezeichnet. Die zweite Kennziffer beschreibt den Schutzgrad gegen ein Eindringen von Wasser.

Folgende Tabellen zeigt die Bedeutung der Kennziffern sowie die technischen Voraussetzungen der jeweiligen Einordnung in der Übersicht.

Erste Kennziffer Bedeutung Voraussetzungen
 1 Geschützt gegen feste Fremdkörper 50 mm Durchmesser und größer Eine Prüfsonde (Kugel mit 50 mm Durchmesser) darf nicht voll eindringen.
2 Geschützt gegen feste Fremdkörper, 12,5 mm Durchmesser und größer Eine Prüfsonde (Kugel 12,5 mm Durchmesser) darf nicht voll eindringen.
Ein sogenannter Prüffinger darf bis zu seiner Länge von 80 mm eindringen, ausreichender Abstand muss jedoch eingehalten werden.
3 Geschützt gegen feste Fremdkörper, 2,5 mm Durchmesser und größer Eine Prüfsonde (Kugel 2,5 mm Durchmesser), darf überhaupt nicht eindringen.
4 Geschützt gegen feste Fremdkörper, 1,0 mm Durchmesser und größer Eine Prüfsonde (Kugel 1,0 mm Durchmesser) darf überhaupt nicht eindringen.
5 Staubgeschützt Eindringen von Staub ist nicht vollständig verhindert, aber Staub darf nicht in einer solchen Menge eindringen, dass das zufriedenstellende Arbeiten des Gerätes oder die Sicherheit beeinträchtigt wird.
6 Staubdicht Kein Eindringen von Staub bei einem Unterdruck von 20 mbar im Gehäuse.

 

Zweite Kennziffer Bedeutung Voraussetzungen
 1 Geschützt gegen Tropfwasser Senkrecht fallende Tropfen dürfen keine schädlichen Wirkungen haben.
2 Geschützt gegen Tropfwasser, wenn das Gehäuse bis zu 15° geneigt ist Senkrecht fallende Tropfen dürfen keine schädlichen Wirkungen haben, wenn das Gehäuse um einen Winkel bis zu 15° beiderseits der Senkrechten geneigt ist.
3 Geschützt gegen Sprühwasser Wasser, das in einem Winkel bis zu 60° beiderseits der Senkrechten gesprüht wird, darf keine schädlichen Wirkungen haben.
4 Geschützt gegen Spritzwasser Wasser, das aus jeder Richtung gegen das Gehäuse spritzt, darf keine schädlichen Wirkungen haben.
5 Geschützt gegen Strahlwasser Wasser, das aus jeder Richtung als Strahl gegen das Gehäuse gerichtet ist, darf keine schädlichen Wirkungen haben.
6 Geschützt gegen starkes Strahlwasser Wasser, das aus jeder Richtung als starker Strahl gegen das Gehäuse gerichtet ist, darf keine schädlichen Wirkungen haben.
7 Geschützt gegen die Wirkung beim zeitweiligen Untertauchen in Wasser Wasser darf nicht in einer Menge eintreten, die schädliche Wirkung verursacht, wenn das Gehäuse unter genormten Druck- und Zeitbedingungen zeitweilig in Wasser untergetaucht wird.
8 Geschützt gegen die Wirkungen beim dauernden Untertauchen in Wasser Wasser darf nicht in einer Menge eintreten, die schädliche Wirkungen verursacht, wenn das Gehäuse dauernd unter Wasser getaucht ist (unter Bedingungen, die zwischen Hersteller und Anwender vereinbart werden müssen). Die Bedingungen müssen jedoch schwieriger sein als für die Kennziffer 7.
9 Schutz Wasser bei Hochdruck-/Dampfstrahl-Reinigung Wasser, das aus jeder Richtung unter stark erhöhtem Druck gegen das Gehäuse gerichtet ist, darf keine schädlichen Wirkungen haben.

Der IP-Code erlaubt also eine sehr genaue Einschätzung, inwieweit ein Gerät für den Einsatz in einer bestimmten Umgebung geeignet ist.

Diese genormte Codierung ist natürlich viel genauer als etwa Begriffe wie „wasserdicht“, „wasserfest“ oder „spritzwassergeschützt“, die oft im Marketing genutzt werden. Ohne konkrete Angabe der Schutzart haben diese Begriffe nur eine geringe Aussagekraft.

IP-Code in der Praxis

Unsere beliebte LED-Beleuchtung für Terrassendächer weist z.B. die Schutzart IP 65 ein. Dies bedeutet also einerseits, dass das Set absolut staubdicht ist.

Außerdem ist das LED-Beleuchtungsset gegen starkes Strahlwasser geschützt. Mit anderen Worten: Wasser, das aus jeder Richtung als starker Strahl gegen das Gehäuse gerichtet ist, hat keine schädlichen Wirkungen und beeinflusst die ordnungsgemäße Funktionsweise nicht. Somit ist diese LED-Beleuchtung also bestens für den Einsatz an einem Terrassendach geeignet.

Achten Sie also beim nächsten Kauf eines elektronischen Gerätes nicht nur auf das Design oder den Preis, sondern auch auf Schutzklasse & Schutzart – denn Qualität zahlt sich aus, und an der Sicherheit sollte man nicht sparen.

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